{"id":1955,"date":"2023-01-05T09:56:57","date_gmt":"2023-01-05T08:56:57","guid":{"rendered":"http:\/\/nikitsch.gv.at\/hr\/?page_id=1955"},"modified":"2023-01-05T09:56:57","modified_gmt":"2023-01-05T08:56:57","slug":"geschichte-nikitsch","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/nikitsch.gv.at\/hr\/geschichte-nikitsch\/","title":{"rendered":"Geschichte Nikitsch"},"content":{"rendered":"\n<p>Unser Gebiet war nachweislich schon vor rund 8000 Jahren, also seit dem Beginn der Jungsteinzeit von Menschen besiedelt. Fr\u00fchzeitliche Funde weisen vor allem auf Ansiedelungen entlang des Nikitschbaches hin. Die damaligen Bewohner hatten vor allem von Ackerbau und Viehzucht gelebt.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>In den letzten vorchristlichen Jahrhunderten wurden die in unserer Region h\u00e4ufigen Eisenerzvorkommen von den Kelten gen\u00fctzt. Auf die r\u00f6mische Periode der Zeit des 1.-4. Jhdts. n. Chr. als Teil der r\u00f6mischen Provinz Pannonien folgte die V\u00f6lkerwanderung, im Zuge derer eine Vielzahl von verschiedenen V\u00f6lkerschaften unsere Gegend durchstreiften.<\/p>\n\n\n\n<p>Ab dem Ende des 8. Jhdts. kamen sowohl deutsche als auch wenig sp\u00e4ter magyarische Siedler in unsere Heimat. Erstmals wird Nikitsch um 1153 in der Form \u201ePhiles\u201c genannt. Unter der Bezeichnung \u201eNikitsch\u201c (Ukac 1204, Ikech 1311, Ugeid 1360, V\u00fcketsch 1392, Ukech 1415, Yketsch 1437, Ikitsch 1522) wurden urspr\u00fcnglich die Gemarkungen von Nikitsch, Kroatisch Minihof und das dazwischenliegende Edelgut Galoshaza verstanden, die eine landschaftliche und siedlungs- m\u00e4\u00dfige Einheit bildeten. F\u00fcr Nikitsch tritt sp\u00e4ter h\u00e4ufig der ungarische Name \u201eF\u00fcles\u201c auf.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Dorf Nikitsch gelangte wahrscheinlich noch im 13. Jhdt. in den Besitz der G\u00fcssinger Grafen; 1311 wurde Nicolaus von G\u00fcssing, der Herr von Lockenhaus, als Grundherr genannt. 1371 wurde Nikitsch der Familie Kanizsai zugeeignet. Durch Seuchen und T\u00fcrkenkriege waren viele D\u00f6rfer unserer Heimat in der ersten H\u00e4lfte des 16. Jhdts. entv\u00f6lkert worden. 1536 wurde Nikitsch als v\u00f6llig w\u00fcst liegendes Dorf erw\u00e4hnt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Zeit der Wiederbesiedelung des ver\u00f6deten Ortes kann mit den Jahren 1537-40 angegeben werden. Der Hauptstrom der Einwanderer d\u00fcrfte um 1540 gekommen sein. Die Wiederbesiedelung erfolgte \u00fcberwiegend mit kroatischen Bauern, die aus den kroatischen Besitzungen des damaligen Grundherrn Thomas N\u00e1dasdy stammten und vor den st\u00e4ndig vordringenden T\u00fcrken auf der Flucht waren.<\/p>\n\n\n\n<p>Der damalige Besitzer des Kastells G\u00e1losh\u00e1za, Laurentius Hyrnyk, hatte sich im Rahmen dieser \u201eReanimation\u201c des Ortes gro\u00dfe Verdienste erworben.1544 wurde ihm das halbe Dorf Nikitsch verpf\u00e4ndet, so dass er selbst Nutznie\u00dfer der Neusiedelung wurde. 1564 wurde die zweite Ortsh\u00e4lfte gleichfalls verpf\u00e4ndet. Im Zeitraum von 1559-62 muss eine starke Nachbesiedelungswelle erfolgt sein, da die zweite Ortsh\u00e4lfte gegen\u00fcber der ersten stark angewachsen war; zur gleichen Zeit stieg auch die Bev\u00f6lkerungszahl des benachbarten Dorfes Kroatisch Minihof gewaltig an.<\/p>\n\n\n\n<p>Im ersten Jahr des 17. Jhdts. brach \u00fcber den Ort eine Katastrophe herein, von deren Folgen er sich &#8211; verst\u00e4rkt durch widrige Umst\u00e4nde &#8211; erst gegen Ende des Jahrhunderts einigerma\u00dfen erholen konnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Wahrscheinlich durch kaiserliche S\u00f6ldnertruppen, die seit Beginn des \u201elangen T\u00fcrkenkrieges\u201c im Jahr 1593 immer wieder unseren Landstrich durchstreiften, eingeschleppt, breitete sich die Pest in unseren D\u00f6rfern aus. In Nikitsch brachte die Seuche rund ein Drittel der H\u00e4user zum Ver\u00f6den.<\/p>\n\n\n\n<p>1605 brach das Unheil mit dem Bocskay-Aufstand \u00fcber das sich gerade m\u00fchsam erholende Nikitsch herein, ebenso mussten die geplagten Dorfbewohner w\u00e4hrend des Bethlen-Aufstandes 1620-22 Zwangsrequirierungen, Brandschatzungen, Pl\u00fcnderungen, Totschlag und andere leidvolle Erfahrungen schutzlos \u00fcber sich ergehen lassen.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend andere D\u00f6rfer diese Katastrophen innerhalb zweier Jahrzehnte erstaunlich schnell \u00fcberwanden, konnte Nikitsch nie mehr seinen einstigen Umfang erreichen. Der ungarische Mitteladel trachtete danach, aus seinen Untertanen ein Maximum an Profit herauszupressen, ohne den von den gro\u00dfen Magnaten Esterh\u00e1zy und Batthy\u00e1ny sehr wohl beachteten Grundsatz zu ber\u00fccksichtigen, dass das Wohl der Untertanen zugleich das Wohl des Grundherrn bedeutete.<\/p>\n\n\n\n<p>Erschwerend wirkte sich auch der Umstand aus, dass die folgenden Grundherren R\u00e9chey und Sitkey nicht Eigent\u00fcmer, sondern nur Pfandherren waren und zur skrupellosen Ausn\u00fctzung aller M\u00f6glichkeiten veranlasst wurden. Beim Schloss wurde ein gro\u00dfer Meierhof errichtet, ebenso in Nikitsch. Als 1661 die Herrschaft R\u00e9chey im Mannesstamm ausgestorben und der Besitz nach ungarischem Recht an die Krone gefallen war, erwirkte der Herr der Herrschaft Lockenhaus, der k\u00f6nigliche Hofrichter Franz N\u00e1dasdy, f\u00fcr sich eine Schenkung \u00fcber das R\u00e9chey-Verm\u00f6gen.<\/p>\n\n\n\n<p>Er musste jedoch die rechtm\u00e4\u00dfigen Anspr\u00fcche der Witwe Georg R\u00e9cheys, Eva Amad\u00e9, auf das Kastell G\u00e1losh\u00e1za anerkennen, und so gew\u00e4hrte er ihr das Recht, die H\u00e4lft des Kastells auf Lebenszeit zu bewohnen und zu nutzen. Als der zweite Gemahl der Eva Amad\u00e9, Adalbert Sennyey, begann, seine grundherrlichen Rechte r\u00fccksichtslos zu nutzen, erhob sich der Widerstand der Gemeinde. Urbarialkonflikte zwischen Untertanen und Grundherren bis hin zur offenen Rebellion waren die Folge.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Gefangennahme (1670) und Hinrichtung Franz N\u00e1dasdys 1671 sowie die darauf folgende Beschlagnahme seiner Besitzungen lie\u00dfen in den Nikitschern die Hoffnung erwachen, ihre Lage verbessern zu k\u00f6nnen. Im selben Jahr legte eine Gemeindedelegation dem Kaiser in Laxenburg ein Bittgesuch um die Best\u00e4tigung der \u201euralten Freyheitten und Privilegien des Dorfes Ikesch\u201c vor, woraufhin zwei Jahre heftiger Auseinandersetzungen folgten. Letztlich gingen doch die Nikitscher Bauern als Sieger hervor. Adalbert Sennyey musste weichen, die Grundherrschaft \u00fcbernahm im Jahr 1673 der Schwiegersohn des hingerichteten Grafen N\u00e1dasdy, Graf Nikolaus Draskovich.<\/p>\n\n\n\n<p>1674 l\u00f6ste dieser die zweite Ortsh\u00e4lfte von Nikitsch aus dem Pfandbesitz der Sitkey-Linie ein. Damit endete die mehr Nikitsch um 1930als hundert Jahre andauernde Verpf\u00e4ndung von Nikitsch. Der Ort wurde samt dem Kastell G\u00e1losh\u00e1za, dem Markt Deutschkreutz und dem Dorf Kleinwarasdorf zur Grundherrschaft Deutschkreutz zusammengeschlossen.<\/p>\n\n\n\n<p>1676 brachte jedoch Paul Esterh\u00e1zy die ehemaligen N\u00e1dasdyschen Herrschaften Lockenhaus, Klostermarienberg und Deutschkreutz an sich und verpf\u00e4ndete das Kastell G\u00e1losh\u00e1za samt dem Dorf Nikitsch im darauf folgenden Jahr an Simon Despoth, seinen Oberpfleger des Schlosses Eisenstadt. Nachdem dieser den Besitz wiederum an das Benediktinerkloster Martinsberg verkauft hatte, gelangten G\u00e1losh\u00e1za und Nikitsch bereits vor 1695 wieder in die H\u00e4nde Paul Esterh\u00e1zys. Dieser trat die Besitzungen 1708 an Adam Mesk\u00f3 ab. Dieses Jahr ist daher als das Geburtsjahr der selbst\u00e4ndigen Herrschaft Nikitsch zu bezeichnen, die bereits 1675 vorgebildet war.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Jurist Adam Mesk\u00f3 wurde 1721 in den erblichen Freiherrnstand erhoben. Im Besitz dieser Familie, die sich nach der Einheirat eines Grafen Zichy seit 1903 Zichy-Mesk\u00f3 nennt, befindet sich das Kastell G\u00e1losh\u00e1za &#8211; heute allgemein als \u201eSchloss Nikitsch\u201c bezeichnet &#8211; bis zum heutigen Tag. Die beiden Weltkriege trafen Nikitsch und seine Nachbarorte mit voller Wucht &#8211; viele Gefallene zeugen davon.<\/p>\n\n\n\n<p>Erst nach dem 2. Weltkrieg begann der wirtschaftliche Aufschwung. Durch die nun einsetzende Mechanisierung und Technisierung wurden jedoch viele Arbeitskr\u00e4fte frei, die mangels Besch\u00e4ftigungsm\u00f6glichkeiten im eigenen Ort zu Wochenpendlern wurden oder g\u00e4nzlich nach Wien abwanderten. 1953 wurde das Verwaltungsgeb\u00e4ude errichtet. 1956 kamen w\u00e4hrend des Aufstandes in Ungarn mehrere Tausende von Fl\u00fcchtlingen nach Nikitsch, wo ein Durchgangslager eingerichtet wurde.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unser Gebiet war nachweislich schon vor rund 8000 Jahren, also seit dem Beginn der Jungsteinzeit von Menschen besiedelt. Fr\u00fchzeitliche Funde weisen vor allem auf Ansiedelungen entlang des Nikitschbaches hin. 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